Die 10 häufigsten Tragefehler

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Josh Willink

Kurz und bündig


Damit dir dein Start mit deiner Trage auf Anhieb gelingt, erklären wir dir worauf du im Umgang mit deiner Trage besonders achten solltest und welche Tragefehler du vermeiden solltest. Dabei beziehen sich folgende Punkte generell auf Tragehilfen als auch auf Tragetücher.

1

Zeitmangel beim Anlegen

Da sich unter Hektik leicht Fehler einschleichen können, ist wichtig, dass du dir Zeit beim Anlegen deiner Tragehilfe nimmst. Je nach System kann dies einfach sein oder verlangt etwas Übung.

In der Regel kommt es darauf an dein Kind in die Anhock-Spreiz-Haltung zu bringen und bei Kindern, die noch nicht selbsständig Sitzen auf die Unterstützung des Rundrückens zu achten. Hierfür muss mit der Tragehilfe oder dem Tuch geübt und experimentiert werden. Hat man einmal raus wie es geht, ist es bei den nächsten Malen garantiert einfacher!

2

Das Kind blickt bei Bauchtrageweise in Laufrichtung

Leider wird in dieser Position oft geworben, doch diese Trageweise ist aus unserer Sicht ein absolutes No-Go.

Das hat verschiedenen Gründe. Zum einen wird der Körper des Kindes durch diese Art zu Tragen gestreckt und inbesondere bei Babys wird gegen den natürlichen Rundrücken gearbeitet. Auch eine Anhock-Spreiz-Haltung ist in dieser Position nicht möglich.

Am schwersten wiegt jedoch die Tatsache, dass das Kind den Umwelteinflüssen machtlos ausgesetzt ist. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass das Kind doch etwas sehen müsse, benötigen die Kleinen die Möglichkeit sich bei Bedarf vom hektischen Geschehen um sie herum abzuwenden.

Dies ist nur in einer Position möglich, in der Kinder zur Mama oder Papa schauen. Auf diese Weise können sie am Geschehen teilhaben und sich gleichzeitig zurückziehen, um ein Schläfchen zu halten oder um einfach die Nähe zu genießen.

Tragehilfen mit Rückenteilen aus Tragetuchsstoff und Tragetücher eignen sich hierfür hervorragend!

3

Die Tragehilfe und -technik wird nicht an die physische Entwicklung des Kindes und die Vorlieben von Kind und Träger angepasst

Für ein unbeschwertes Tragegefühl für Kind und Träger ist es wichtig, dass die Tragehilfe und die Tragetechnik an die Entwicklung des Kindes angepasst wird.

So sollte der Steg nach einem Wachstumsschub auf die neue Größe angepasst werden - dieser sollte beim Kind stets von Kniekehle zu Kniekehle reichen. Solltest du noch vor der Kaufentscheidung stehen, empfehlen wir dir dich nach Tragen mit stufenlos mitwachsenden Steg umzusehen.

Bei schweren Kindern sollte eine Tragetechnik gewählt werden, bei der das hohe Gewicht dennoch bequem und auch über längere Zeit getragen werden kann. Aus diesem Grund empfiehlt es sich Kinder ab 10 kg auf dem Rücken zu tragen.

Abschließend gilt es die richtige Größe der Tragehilfe zu wählen. Eine Babysize Trage bietet für größere Traglinge keine ausreichende Rücken- und Nackenunterstützung. Auch der Steg reicht dann nicht mehr von Kniekehle zu Kniekehle und behindert somit eine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung. Eine zu große Tragehilfe birgt Gefahren hinsichtlich der Körperhaltung und freier Atemwege. Da Kinder in sich zusammensacken ist eine Unterstützung des natürlichen Rundrücken kleiner Traglinge nicht gegeben. Auch die Atemwege können blockiert sein, da die ganz Kleinen sich nicht selbstständig aufrichten können.

4

Der Nacken des Kindes wird nur wenig oder garnicht gestützt

Babys benötigen in den ersten Lebensmonaten eine Unterstützung im Kopf- und Nackenbereich, da sie in dieser Zeit nur über eine schwachen Nackenkontrolle verfügen.

Deshalb ist es wichtig, dass die gewählte Tragehilfe entlang des Kopf- und Nackenbereich eine gute Unterstützung bietet.

Insbesondere bei schlafenden Babys und Kindern muss darauf geachtet werden, dass der Kopf durch die integrierte Kopfstütze ausreichend gestützt wird. Im Falle eines Tragetuchs gelingt es dir durch folgende Tipps:

  • Bei einem elastischen Tragetuch kann einer der zwei seitlichen Tuchstänge zur Unterstützung über den Hinterkopf gezogen werden.
  • Bei einem nicht-elastischen Tragetuch kann zusätzliches ein kleines Spucktuch (kein großes, da sonst zu viel Druck auf den Nacken gegeben wird) als Nackenstütze dienen, indem es in die obere Kante des Tuches eingerollt wird.

5

Die Babytrage ist falsch eingestellt

Das Kind sitzt zu niedrig: So lange das Kind in einer guten Anhock-Spreiz-Haltung sitzt und die nachfolgenden Punkte berücksichtigt wurden, sollte korrekt sitzen. Als Faustregel gilt, dass das Kind sichtbar ist und sich auf Kopf-Kuss-Höhe befinden sollte.

Die Trage sitzt zu locker oder zu eng: Das Kind sollte möglichst nah am Körper getragen werden, ohne dass es sich eingeschränkt fühlt. Als Faustregel gilt, dass das Kind sich beim Vorlehnen nicht vom Körper des Trägers entfernt. Gleichzeitig sollte es in der Lage sein seine Arme selbständig hochzunehmen.

Die Schulterträger sind falsch eingestellt: Die Schulterträger sind zu weit auseinander, schneiden in den Achselbereich oder die Gurte sind bei Tragehilfen nicht erreichbar. Dies lässt sich alles problemlos korrigieren, insbesondere die Gurteinstellung kann vor dem Anlegen so eingestellt werden, dass die Gurtbänder während dem Anlegen bequem erreicht werden können.

Die Nackenschnalle sitzt zu hoch: Bei den meisten Tragehilfen lässt sich die Nackenschnalle ganz einfach verschieben. Sollte das nicht der Fall sein, hilft es die Position über die Gurtbänder einzustellen. Das geht einfach über das Lösen der Stillschnallen (falls vorhanden) und über das Straffen der Schultergurte.

6

Die Atemwege des Traglings sind nicht frei

Es ist wichtig, dass das Kind stets frei atmen kann. Hierzu sollten die Atemwege beim und nach dem Anlegen kontrolliert werden.

Dies gilt insbesondere bei Tragepositionen, bei denen das Kind tiefer in der Trage sitzt - z.B. in der Wiegeposition in einer Slingtrage. Auch wenn die Kopfstütze als Lichtschutz befestigt wird, sollte noch einmal genauer überprüft werden, ob die Atemwege frei sind.

Zudem besteht bei zu lockerer Trageeinsellung die Gefahr, das Kinder (vor allem Babys in den ersten Lebensmonaten) in sich zusammensacken und sich nicht selbstständig aufrichten können. Hierbei ist es wichtig nachzujustieren und zu gewährleisten, dass sie frei atmen können.

7

Kind und Träger sind falsch gekleidet

Natürlich ist es wichtig die Kleidung an Umgebung anpassen. Das gilt für Tragling und Träger gleichermaßen.

Das Tragetuch bzw. der Stoff der Tragehilfe fungiert als eigenständige Kleidungsschicht, das sollte bei der Wahl des Gesamtoutfits bedacht werden. Zudem gibt das Kind Wärme ab.

  • Sommer: Ziehe dein Kind auf keinen Fall zu warm an, aber achte darauf, dass Kopf, Arme und Beine vor der Sonne geschützt werden. Im Sommer bieten sich Stoffe an, die einen guten Wärmeaustausch bieten - z.B Wolle-Seide Kleider für Kinder und Leinen für den Träger.
  • Winter: Ziehe dich und dein Kind zunächst entsprechend der Zimmertemperatur an. Erinnere dich daran, dass du mit deiner Trage bereits eine zusätzliche Kleidungsschicht anhast und dein Kind und du euch gegenseitig wärmt. Über euch beide kannst du dann beispielsweise einen Pullover mit weitem Ausschnitt anziehen. Darüber dann eine Tragejacke, oder falls nicht zur Hand eine Jacke, die weit genug ist, dass ihr beide bequem darunter passt. Ziehe deinem Kind auf jeden Fall eine wärmende Wollmütze und ggf. wärmende Stulpen an. Wird das Kind außerhalb der Jacke getragen, muss es natürlich ebenfalls entsprechend der Außentemperaturen gekleidet werden.

Ob das Kind schwitzt oder friert, kann oft mit einem Temperatur-Check im Nacken des Kindes festgestellt werden.

8

Zu früh auf dem Rücken tragen

Das Kind auf dem Rücken zu tragen hat oft praktische Gründe. Auf diese Weise kann der Alltag fast ungehindert bewältigt werden, da der Träger seine Hände frei hat.

Das macht natürlich Sinn und ist per se absolut in Ordnung, jedoch sollten Babys, die ihren Kopf noch nicht selbständig halten können, zunächst vor dem Bauch getragen werden.

Da dieser Zeitpunkt schwer anhand des Alters festgemacht werden kann, hilft folgende Faustregel:


Erst wenn das Kind über eine ausreichende Nackenkontrolle verfügt, sollte auf dem Rücken getragen werden.


Anzumerken ist hier, dass der Zeitpunkt je nach Tragesystem dennoch variieren kann. Flexible Stoffe - wie bei Tragetüchern oder Tragehilfen, deren Rückenteil aus Tragetuchstoff besteht - unterstützen die natürliche Haltung der Kleinen oft besser, sodass Kinder etwas früher auf dem Rücken getragen werden können.

Nichtsdestotrotz befindet sich dein Kind bei der Rückentrageweise außerhalb deines Sichtfeldes und ein Reagieren auf dessen Bedürfnisse wird im Vergleich zur Bauchtrageweise erschwert.

Letztlich liegt die Entscheidung, wann auf dem Rücken getragen werden kann, beim Träger und bedarf dessen Einschätzung. Erinnert euch dann aber bitte an unsere Hinweise. Es sollte sich stets für euch beide gut anfühlen und du solltest dir es auch zutrauen dein Baby auf dem Rücken zu tragen. Meist ist es besser auf Nummer sicher zu gehen und erst dann zu beginnen, wenn ihr beide bereit dafür seid und der Entwicklungsstand des Kindes auch zur Trageweise passt!

9

Zu früh aufgeben

Da jede Trage anderes ist und teilweise auch etwas Übung erfordert, müssen manchmal verschiedene Systeme ausprobiert werden bis das Tragesystem gefunden ist, mit dem man sich wohl fühlt. Auch die jeweiligen Einstellungen sollten einmal durchgespielt werden bis die perfekte Einstellung gefunden ist.

Unsere Empfehlung lautet hierbei dran bleiben, denn es gilt die Devise: Übung macht dem Meister!

Für das Ausprobieren können Tragen gemietet werden oder bei einem Termin mit seiner Trageberatung ausprobiert werden.

10

Nicht erkennen, wenn ein Kind nicht getragen werden will

Du bist guter Dinge den Tag aktiv zu gestalten und willst deinen Erledigungen nachgehen. Das ist gut und schön, es heißt aber nicht, dass dein Kind diese Meinung teilt und stundenlang herumgetragen werden will.

Möglicherweise stimmt einer der bereits genannten Punkte nicht. Es kann auch sein, dass es ein für das Kind denkbar ungünstiger Zeitpunkt ist, da es so wie du voller Tatendrang ist und im Moment nur die Welt entdecken will.

Wichtig ist, dass du die Grundbedürfnisse deines Kindes achtest. Das heißt du solltest folgende Aspekte auf jeden Fall beachten bevor du dein Kind in die Trage nimmst:

  • Drang nach Bewegung
  • Übermäßige Müdigkeit
  • Frisch gewickelt und ggf. abgehalten
  • Durst und Hunger

Dein Kind überstreckt sich oft? Eventuell steckt eine Blockade dahinter. Diese könnte durch Osteopathie beseitig werden. Ist diese gelöst, wird dein Kind anschließend vielleicht gerne wieder getragen.


Jedoch gibt es aber auch Kinder, die einfach nicht gerne getragen werden wollen. Das sollte dann auch vom Träger so respektiert werden.

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Tragetuch - Überblick und Tipps einer Expertin

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