Schlafumgebung: Wie sollen Babys schlafen?

aktualisiert am 23. Jul 2022

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Kurz und Bündig

Babys sollten in Rückenlage in einem Bettchen mit einer festen, gut sitzenden Matratze im elterlichen Schlafzimmer schlafen. Und das, ohne weiche oder lose Gegenstände, welche die Atemwege behindern könnten.

Eine gute Schlafumgebung für das Baby ist wichtig, weil sie den Babyschlaf fördert und das Risiko des plötzlichen Kindstodes, auch SIDS (Sudden Infant Death Syndrome) genannt - erheblich reduzieren kann. Und wenn das Baby gut schläft, schlafen auch die Eltern besser.

Ob im Baby-, Eltern- oder Familienbett: mit der Geburt des eigenen Babys wird den Eltern die Verantwortung übertragen, die Schlafumgebung für das neugeborene Baby so einzurichten, dass sie sicher und gleichzeitig für den Babyschlaf förderlich ist.

Wie du für dein Baby eine optimale Schlafumgebung herstellen kannst, erklären wir dir nun Schritt für Schritt.

Neugeborene und Babys richtig schlafen legen: wie Babys schlafen sollten

Beginnen wir mit Maßnahmen, die erwiesenermaßen das Risiko des plötzlichen Kindstodes reduzieren.

Die richtige Schlafposition für Kinder unter 12 Monaten ist die Rückenlage

Neugeborene und Babys sollten stets in Rückenlage Schlafen. Auf diese Weise können sie frei atmen. Aber kein Angst, laut Studien gibt es für Babys kein erhöhtes Risiko in der Rückenlage an Erbrochenem zu ersticken.2

Die Bauch- und Seitenlage wird nicht empfohlen, da sie als Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod gelten.1

Unter 12 Monaten schlafen Eltern am besten mit dem Baby in einem Raum

Das Risiko des plötzlichen Kindstodes wird auch gesenkt, indem die Eltern im gleichen Raum wie das Baby schlafen. Auf diese Weise können Eltern schlicht schneller reagieren, falls sich das Baby in die Bauchlage begibt oder versehentlich von etwas bedeckt ist. Daher ist es ratsam im gleichen Zimmer wie das Baby zu schlafen.3

Idealerweise schläft das Baby in den ersten Monaten im eigenen Bett - bei den Eltern im Zimmer

Zudem legen verschiedene Untersuchungen nahe, dass junge Babys im eigenen Bettchen in Rückenlage bei den Eltern im Zimmer schlafen sollten. Schlafen Kinder unter 3 Monaten mit den Eltern im gemeinsamen Bett, ist das Risiko des plötzlichen Kindstodes erhöht.2

Keine zu weiche Matratze, lieber eine feste, gut abschließende

Die Matratze im Babybett sollte fest und keinesfalls zu weich sein. Auf einer zu weichen Matratze könnte das Baby ersticken, wenn es in Bauchlage gerät. Außerdem sollte die Matratze eben sein und mit dem Bettrand sauber abschließen. So entstehen keine Lücken, in die das Baby rollen könnte.

Gegenstände im Bett des Babys sind tabu - Keine Decken, keine Kissen keine Kuscheltiere, etc.

Im Bett des Babys sollte sich kein loses Bettzeug befinden. Dieses könnte sonst den Kopf des Babys bedecken und somit die Atemwege behindern. Das heißt: keine Decke, keine Kissen, keine Tücher, keine Tagesdecke, keine Polster als Stoßbegrenzung, keine Kuscheltiere oder sonstigen Gegenstände.

Um das Baby zuzudecken, nimmst du idealerweise einen Babyschlafsack.

Die Schlafumgebung sollte rauchfrei sein und bleiben

Nach einer Vielzahl an Studien1 erhöht das Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Das gilt auch, wenn das Baby Passivrauch ausgesetzt ist.

Mindestens aus diesem Grund sollte das Baby möglichst keinem Zigarettenrauch ausgesetzt sein - das gilt insbesondere für das Schlafzimmer.

Weitere Tipps zur Schaffung einer guten Schlafumgebung

Neben den bereits genannten und wichtigen Maßnahmen gibt es eine Vielzahl weiterer Maßnahmen, die dazu beitragen, dass dein Kind gut schlafen kann.

Schlaftemperatur: Baby und Eltern sollten angenehm schlafen können

Die optimale Raumtemperatur im Schlafzimmer liegt zwischen 16 und 20 Grad. Die Genaue Gradzahl ist dabei individuell. Schläft ein Baby mit im Zimmer, sollte diese Temperaturspanne angepeilt werden. Um festzustellen, ob deinem Baby zu kalt oder zu warm ist, fühle den Nacken deines Kindes. Ist der Nacken zu kühl, ist deinem Baby kalt. Ist dieser schwitzig, ist deinem Baby zu warm.

Im Sommer schaffen es die meisten Familien nicht, diese Temperaturspanne zu erreichen, erst Recht nicht, wenn diese im Dachgeschoss wohnen bzw. schlafen. Das ist aber kein Grund zur Sorge. Das Baby sollte dann einfach dünner angezogen werden.

Ein weiteres Problem stellt das Stillen im Winter dar. Wenn es nur 16-20 Grad im Schlafzimmer hat, fängt die stillende Mama schnell zu frieren an. Auch dann ist es nicht verwerflich, wenn die Heizung um ein paar Grade hoch gestellt wird, sodass die Mama während des Stillens nicht erfrieren muss.

In Summe sollte jeder Angenehm schlafen können.

Schlafzimmer regelmäßig Lüften

Um für ausreichend Sauerstoffzufuhr und eine gute Luftzirkulation zu sorgen, sollte das Schlafzimmer regelmäßig gelüftet werden.

Die richtige Schlafkleidung fürs Baby: Durch richtiges anziehen Unterkühlen und Überhitzen vermeiden. Schlafsack ist Mittel der Wahl.

Was ziehen Babys zum Schlafen an? Klar ist: ob Winter oder Sommer, Babys sollten beim Schlafen entsprechend angezogen sein. Insbesondere sollte ein Unterkühlen oder ein Überhitzen vermeiden werden.

Die richtige Kleidung hierfür ist ein passender Schlafsack. Je nach Jahreszeit in entsprechender Dicke bzw. TOG Einheit - Maßeinheit für den Wärmewiderstand von Textilien.

Welche Kombination aus Body und Schlafsack in gegebener TOG Einheit zu wählen ist, kannst du beispielsweise bequem auf Schlummersack nachschauen.

Baby im Elternbett: Wie gelingt es und was gibt es zu beachten?

Generell wird nicht empfohlen mit einem Baby unter 4 Monaten im Elternbett zu schlafen, da nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in diesem Fall das Risiko des plötzlichen Kindstodes erhöht ist.3,5 Schläft das Baby mit euch in einem Bett sollte insbesondere unter 4, aber auch über 4 Monaten, besondere Vorsicht geboten sein.

Weil ein gemeinsames Bett keine Kontrollierte Umgebung ist - andere Familienmitglieder benutzen Kopfkissen und Decken -, gibt es ein paar Grundregeln, die beherzigt werden sollten, um ein sicheres Schlafen für das Baby zu gewährleisten.

Welche das sind, kannst du in unserem Beitrag zum Familienbett nachlesen.

FAQ

Meist tauchen weitere Fragen auf, wenn es um die Schlafumgebung des neuen Familienmitglieds geht.

An dieser Stelle versuchen wir einige hiervon zu beantworten. Vielleicht ist deine auch dabei.

Grundsätzlich sollten Babys im ersten Jahr auf dem Rücken schlafen. Dennoch begeben sich Babys schon vor einem Jahr selbstständig in die Seiten- oder Bauchlage. Nämlich meist dann, wenn sie lernen sich eigenständig zu drehen - etwa um 4 Monate5.

Als Elternteil solltest du eingreifen und dein Baby wieder in die Rückenlage bringen, sofern es sich noch nicht selbstständig von der Bauchlage wieder in Rückenlage drehen kann, und umgekehrt.4

Wichtig: Auch dann sollten keine Gegenstände im Babybett sein, die ein selbständiges Drehen verhindern können.4

Laut wissenschaftlichen Empfehlungen, sollen Babys unter einem Jahr aufgrund eines erhöhten SIDS Risikos und möglicher Erstickungsgefahr nicht mit Decke schlafen.

Auch für Kinder über einem Jahr bergen Decken, je nach Größe und Gewicht, ein Risiko.

Demnach sollte eine Decke erst bei Kleinkindern ab 2 Jahren, die stark genug sind, sich selbstständig von der Decke zu befreien, erwogen werden.

Die Empfehlung für Decken gilt gleichwohl für Kissen.

Demnach soll ein Kopfkissen erst bei Kleinkindern ab 2 Jahren, die stark genug sind, sich selbstständig vom Kopfkissen zu befreien, erwogen werden.

Das Kuscheltier kann die ganze Nacht über im Bett bleiben, wenn Kinder alt genug sind, um mit Decke und Kissen zu schlafen.

Generell sollte das Schlafen mit Kuscheltieren demnach frühestens ab 2 Jahren in Erwägung gezogen werden. Größe und Material des Kuscheltiers spielen hier jedoch eine wesentliche Rolle. Ggf. kann ein Kleines Kuscheltier schon vor 2 Jahren als Tröster im Bett verweilen.

Im Babybett ist weniger in der Regel deutlich mehr. Dazu raten Experten. Ein Nestchen ist hierbei keine Ausnahme.

Demgegenüber steht der Wunsch der Eltern, es dem Baby im Babybett möglichst schön und bequem zu machen.

Vermeintlich sollen Nestchen und ähnliche Polsterungen, die am Babybett angebracht werden, dafür sorgen, dass sich Babys nicht an den Gitterstäben des Bettes stoßen oder sich gar zwischen ihnen einklemmen.

Heutzutage sind die Abstände der Stäbe jedoch genormt, sodass ein Einklemmen des Kopfes quasi ausgeschlossen werden kann.

Statt eines vermeintlichen Schutzes, können Nestchen laut Experten weit schwerwiegendere Risiken bergen. Im schlimmsten Szenario sind Erstickungen und Strangulierungen die Folge.

Da Sicherheit vor geht und die Risiken den vermeintlichen Schutz bei weitem überwiegen, raten Experten - z.B. Kinderärzte im Netz oder der AMERICAN ACADEMY OF PEDIATRICS - davon ab, Nestchen und ähnliche Produkte zu nutzen3.

Abschließende Worte

Beherzigst du diese Tipps so gut es geht, sollte es dir gelingen, eine sichere Schlafumgebung für dein Baby zu schaffen.

Wir wissen aber auch, dass jedes Kind individuell ist und sich nicht alle Empfehlungen strikt durchsetzen lassen. So begeben sich manche Kinder schon vor einem Jahr in die Seiten- oder Bauchlage. Versuche dann die Situation einzuschätzen. Lasse es erst zu, wenn es sich selbständig drehen kann und und lege dein Augenmerk auf eine feste Matratze und eine gegenstandslose Schlafumgebung.

Solltest du dir trotz aller Vorkehrungen Sorgen machen, kann die Tatsache, dass die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes ab dem vierten Lebensmonat beginnt abzunehmen, beruhigend wirken4.

[1] Mitchell, E. A., Freemantle, J., Young, J. & Byard, R. W. (2011). Scientific consensus forum to review the evidence underpinning the recommendations of the Australian SIDS and Kids Safe Sleeping Health Promotion Programme - October 2010. Journal of Paediatrics and Child Health, 48(8), 626–633. https://doi.org/10.1111/j.1440-1754.2011.02215.x

[2] Horne, R. S. C. (2019). Sudden infant death syndrome: current perspectives. Internal Medicine Journal, 49(4), 433–438. https://doi.org/10.1111/imj.14248

[3] Moon, R. Y., Darnall, R. A., Feldman-Winter, L., Goodstein, M. H. & Hauck, F. R. (2016). SIDS and Other Sleep-Related Infant Deaths: Evidence Base for 2016 Updated Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment. Pediatrics, 138(5). https://doi.org/10.1542/peds.2016-2940

[4] Moon, R. Y. (2011). SIDS and Other Sleep-Related Infant Deaths: Expansion of Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment. Pediatrics, 128(5), e1341–e1367. https://doi.org/10.1542/peds.2011-2285

[5] Colvin, J. D., Collie-Akers, V., Schunn, C. & Moon, R. Y. (2014). Sleep Environment Risks for Younger and Older Infants. Pediatrics, 134(2), e406–e412. https://doi.org/10.1542/peds.2014-0401