Wie mein Baby besser ein- und durchschlafen kann - 10 wertvolle Tipps

aktualisiert am 16. Jul 2022

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@Garrett Jackson

Wie schlafen Babys am besten? Warum schläft mein Baby nachts nicht durch? Kann mein Baby durchschlafen lernen? Das fragen sich viele Eltern.

Klar ist: Neugeborene und Babys müssen sich erst an den Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnen. Daher entwickeln sie in der Regel erst ab ca. drei Monaten einen regelmäßigen Schlafrhythmus1.

Ab dem Alter von sechs Monaten haben Babys das Potential nachts durchzuschlafen2, dann können Babys bereits 6 oder sogar 8 Stunden lang durchschlafen. In diesem Alter sind aber ein oder mehrere nächtliche Wachphasen absolut normal.

Die Fähigkeit durchzuschlafen hängt maßgeblich vom Alter als auch der Fütterungsmethode ab. Kinder, die vermehrt gestillt werden, schlafen naturgemäß weniger häufig durch, weil ihre nächtliche Schlafphasen durch das Stillen öfters durchbrochen werden.

Mit zunehmenden Alter kannst du vermehrt auf den Schlafrhythmus deines Kindes einwirken und durch Rituale schon früh zu einem regelmäßigen Schlafrhythmus beitragen.

Dabei sollen dir folgende Tipps eine Hilfestellung sein, um dein Kind beim Ein- und Durchschlafen zu unterstützen.

Am Tag

Am Tag gibt es viel neues zu Erleben. Demgegenüber steht ein hoher Schlafbedarf3 bei Neugeborenen, Babys und Kleinkindern, welcher sich sowohl auf den Tag, Abend als auch auf die Nacht verteilt. Tagsüber Schlaf und Aktivitäten unter einen Hut zu bekommen ist für Kinder nicht leicht. Doch wir Eltern können dabei unterstützen. Folgende Tipps können dabei hilfreich sein.

  • Versuche Signale für Müdigkeit zu erkennen. Das kann beispielsweise nach einer aktiven Spielphase oder längeren Wachphase oder nach dem Essen sein. Dann stehen die Chancen gut dein Baby tagsüber zum Schlafen zu bringen. Quengeln, Augenreiben, Gähnen, Anhänglichkeit oder Weinen können Müdigkeitsanzeichen sein.
  • Identifiziere den Schlafzyklus deines Kindes. Gibt es ein Muster, plane den Tag für dich und dein Kind entsprechend. Wenn du es brauchst, erhole dich, wenn das Baby schläft oder arbeite wichtige Aufgaben ab.
  • Schläft dein Baby noch nicht alleine und braucht die Nähe, kannst du eine Tragehilfe nutzen. Erfahrungsgemäß schlafen Babys darin gerne und länger als im Bett, weil sie sich darin geborgenen fühlen. Gleichzeitig hast du beide Hände frei, um den Alltag zu bewältigen.
  • Ab 12 Monaten machen Kinder in der Regel nur noch einen Mittagsschlaf. Dieser sollte dann nicht zu spät in den Nachmittag reinragen, da sonst dein Kind abends gegebenenfalls nicht müde ist.4
  • Das Baby holt sich den Schlaf tagsüber wann und wo es will. Um eine Gewisse Uhrzeit deswegen Zuhause zu sein ist nicht zielführend - das schränkt nur ein und ist unflexibel. Sei lieber vorbereitet und nimm eine Babytrage mit. Unser absolutes Must-Have für Herzenseltern.

Am Abend - Rituale fördern das Einschlafen:

Das Zubettbringen, als regelmäßiges Ritual, bringt Struktur in den Abend und Kinder lassen sich meist gut darauf ein. Als Basis sollte eine gute Schlafumgebung geschaffen werden.

  • Der ideale Zeitpunkt, um dein Baby abends schlafen zu legen ist, wenn es müde - nicht übermüdet - aber noch wach ist. Auf diese Weise lernt dein Kind das abendliche Zubettgehen als festes Ritual kennen und kann meist ohne Einschlafhilfen einschlafen.
  • Auch die Grundbedürfnisse sollten gestillt sein. Vor dem abendlichen ins Bettbringen sollte dein Kind satt sein und ausreichend getrunken haben.
  • Schafft eine ruhige und angenehme Schlafumgebung. Wie das geht und wie Babys schlafen sollten erklären wir hier ausführlich:
  • Hilfreich sind abendliche Rituale, die Kinder zur Ruhe kommen lassen und klar machen, dass es nun Schlafenszeit ist. Dies kann zum Beispiel das abendliche Vorlesen von Büchern sein.
  • Ein kleiner Trick, wenn das Kind nicht zur Ruhe kommt, nennt sich Zauberkäfer. Diese sanfte Mentalmethode kann überraschend schnell dazu beitragen, dass sich dein Baby bzw. Kind beruhigt und schnell einschläft.
  • In letzter Konsequenz kannst du es auch mal mit Einschlafhilfen versuchen.
  • Mach dir keinen Druck, wenn dein Baby noch nicht alleine einschläft. Denn, ob Babys alleine einschlafen ist schlichtweg typsache und kann nur wenig durch uns Eltern beeinflusst werden.

In der Nacht - Sanft beruhigen und zum Weiterschlafen verhelfen

Durchschlafen bedeutet, dass ein Kind sechs und mehr Stunden am Stück schläft2. Das bedeutet aber auch, wenn es früh ins Bett geht, wacht es mitten in der Nacht erstmals auf.

  • Wacht dein Kind erstmals auf, heißt es Ruhe bewahren und Signale deuten. Möglicherweise wacht es auf, weil es Durst oder Hunger hat oder schlicht unruhig ist. Versuche zu erkennen was es ist und handle entsprechend in ruhiger Manier.
  • Versuche dabei die nächtliche Atmosphäre beizubehalten. Lass dazu das Licht am besten aus und sprich mit ruhiger gedämpfter Stimme.
  • Sollte dein Baby bzw. Kind unruhig sein, gib ihm das Gefühl geborgen und in Sicherheit zu sein. Versuche es dazu mit deiner Stimme zu beruhigen und/oder leicht zu streicheln. Ein Lied leise zu singen kann auch hilfreich sein. Ist dir der nächtliche Soloauftritt unangenehm, kann auch eine Spieluhr diesen Teil übernehmen.
  • Schlagen Versuche, dein Baby durch dich zu beruhigen, fehl, kann das Vorspielen von monotonen Geräuschen Abhilfe schaffen. Das können Herztöne oder sogenanntes weißes Rauschen sein.
  • Manche Babys schreien nachts vermehrt oder schrecken im Schlaf hoch und wachen dadurch häufiger auf. Gewissenhaftes Pucken mit der richtigen Technik kann dann eine Lösung sein.
  • Sei vorbereitet, wenn dein Baby Hunger oder Durst hat. Fläschchen sollten vorbereitet und griffbereit stehen. Stillenden Müttern legen wir Bedsharing ans Herz, da Stillbabys öfter nachts aufwachen. Durch die kurze Distanz muss die Mutter nicht aufstehen, kann schneller wieder einschlafen und hat insgesamt hat erholsamere Nächte.
  • Wickeln nur wenn nötig und am besten direkt im Bett. Richte dazu ein Wickelkorb mit allen Utensilien und stelle diesen griffbereit neben das Bett.
  • Manche Babys brauchen Körperkontakt, um wieder einzuschlafen. Händchen halten oder Arm in Arm liegen kann hierzu hilfreich sein.
  • Das Baby schläft nur auf mir - ist das normal und was kann ich tun? Ja, für manche Babys ist das normal. Babys spüren, riechen und hören dich - das beruhigt. Wie bei einem Konzert wollen manche Babys einfach in der ersten Reihe stehen. Es zuzulassen ist dann für beide meist die beste Strategie.
  • Ein Schnuller kann für Babys beruhigend wirken und zum schnellen wieder einschlafen beitragen.
  • Im Notfall kommst du um ein nächtliches Aufstehen nicht herum. In manchen Fällen oder Phase helfen nur außergewöhnliche Mittel. Dazu zählen das Baby in die Babytrage zu nehmen, auf dem Arm zu wiegen oder im Fliegergriff durch die Wohnung laufen. Oder gar auf dem Gymnastikball wippen bis die Rückenmuskulatur brennt.
  • Hebammentipp: Leidest du selbst unter deutlichem Schlafmangel, kann es Sinn machen, zu schlafen, wenn das Baby schläft. Das bedeutet du gehst mit dem Baby frühzeitig ins Bett.

Weitere häufig gestellte Fragen

Laut der Studie Uninterrupted Infant Sleep, Development, and Maternal Mood5 schliefen Babys beispielsweise 62,4 Prozent im Alter von 6 Monaten 6 Stunden und mehr durch. Im Alter von 12 Monaten schliefen bereits 72,1 Prozent 6 Stunden und mehr durch.

Laut selbiger Studie schliefen beispielsweise 43 Prozent der Babys im Alter von 6 Monaten 8 Stunden und mehr durch. Im Alter von 12 Monaten schliefen bereits 56,6 Prozent 8 Stunden und mehr durch.

Das ist sehr unterschiedlich. Ab wann ein Kind alleine einschlafen kann, hängt vom Kind selbst ab. Manche sind schon im Alter von wenigen Monaten bereit dazu, andere brauchen bis ins Kleinkindalter oder Kindesalter noch Begleitung. Das Bedürfnis nach Begleitung kann auch phasenweise auftreten.

Stillkinder schlafen in der Regel nicht durch. Das liegt daran, dass ihre Schlafphasen nachts durch das Stillen unterbrochen werden. Damit die Mutter nachts nicht ständig aufstehen muss und schnell wieder einschlafen kann, kommen Stillkinder meist in den Genuss des Co-Sleeping (Quelle: gibt es hierfür) - also dem gemeinsamen Schlafen mit einem Elternteil.

Manchen Babys fällt es schwer ohne Körperkontakt einzuschlafen. Das legt sich jedoch mit der Zeit. Da jedes Baby einen unterschiedlichen Bedarf nach Nähe hat, kann der Zeitpunkt ab wann ein Baby ohne Körperkontakt einschläft nicht pauschal festgemacht werden.

Klar ist: Nähe ist für Babys ein Grundbedürfnis, daher schlafen sie gerne mit Körperkontakt ein. Das wird spätestens deutlich, wenn du dein Baby in einer Tragehilfe trägst - denn hier schlafen sie gerne besonders schnell ein.

Abschließende Worte

Für eine gute Kindesentwicklung sind liebevolle Fürsorge und ein beständiges Eingehen auf deren Bedürfnisse äußerst wichtig. Das verlangt insbesondere in der ersten Lebensphase unserer Kinder ungemein viel von uns Eltern ab. Insbesondere, indem wir unsere Bedürfnisse zurückstellen und auf viel Schlaf verzichten.

Letztlich lohnt sich unser Einsatz aber, wenn wir sehen, wie sich unser Baby zu einem gesunden, selbstbewussten Kind entwickelt.

[1] Jaffa, T., Scott, S., Hendriks, J. H. & Shapiro, C. M. (1993). ABC of sleep disorders. Sleep disorders in children. BMJ, 306(6878), 640–643. https://doi.org/10.1136/bmj.306.6878.640

[2] Ferber, R. (1985). Sleep, sleeplessness, and sleep disruptions in infants and young children. Annals of clinical Research. https://psycnet.apa.org/record/1987-13379-001

[3] Hirshkowitz, M., Whiton, K., Albert, S. M., Alessi, C., Bruni, O., DonCarlos, L., Hazen, N., Herman, J., Katz, E. S., Kheirandish-Gozal, L., Neubauer, D. N., O’Donnell, A. E., Ohayon, M., Peever, J., Rawding, R., Sachdeva, R. C., Setters, B., Vitiello, M. V., Ware, J. C. & Adams Hillard, P. J. (2015). National Sleep Foundation’s sleep time duration recommendations: methodology and results summary. Sleep Health, 1(1), 40–43. https://doi.org/10.1016/j.sleh.2014.12.010

[4] Staton, S., Rankin, P. S., Harding, M., Smith, S. S., Westwood, E., LeBourgeois, M. K. & Thorpe, K. J. (2020b). Many naps, one nap, none: A systematic review and meta-analysis of napping patterns in children 0–12 years. Sleep Medicine Reviews, 50, 101247. https://doi.org/10.1016/j.smrv.2019.101247

[5] Pennestri, M. H., Laganière, C., Bouvette-Turcot, A. A., Pokhvisneva, I., Steiner, M., Meaney, M. J. & Gaudreau, H. (2018). Uninterrupted Infant Sleep, Development, and Maternal Mood. Pediatrics, 142(6). https://doi.org/10.1542/peds.2017-4330