Babytragen Guide - Finde die beste Babytrage für dich und dein Baby

Hier erfährst du worauf es beim Tragen ankommt, welche unterschiedlichen Tragesysteme es gibt und du erhältst wertvolle Informationen zum bedürfnisorientierten Tragen von unserer Trageexpertin Lea.

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Die 10 häufigsten Tragefehler

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Von Lea Voos, Kinderkrankenschwester & Trageberaterin


Kurz und bündig

  • Eine Babytrage ist eine gute Alternative bzw. Ergänzung zum Kinderwagen.
  • Es gibt drei Tragepositionen: Bauch, Hüfte und Rücken.
  • Es gibt verschiedene Tragesysteme, die je nach Bedürfnis und Anforderungen gewählt werden können. Die gängigsten Systeme sind Folgende: Fullbuckle, Halfbuckle, Tragetuch, Sling, Onbu, Mei Tai, Kraxe.
  • Aufgrund der Vielfalt solltest du dir sicher sein, welches System für dich und dein Baby am besten geeignet ist. Keine Sorge, unsere Tragehilfe-Expertin gibt dir im Folgenden einen umfassenden Überblick.
  • Einige der wichtigsten Punkte auf die man bei der Wahl einer Babytrage achten sollte, sind eine stufenlose Verstellbarkeit des Steges und somit die Gewährleistung der sog. Anhock-Spreiz-Haltung (M-Position). Zudem die Unterstützung des Rundrücken bei noch nicht sitzenden Babys und die Möglichkeit Babys in der Face-to-Face-Position zu tragen. Auch auf die Bequemlichkeit für die Eltern sollte geachtet werden.
  • Kinder, die von Früh an getragen werden, schreien meist weniger, entwickeln eine bessere Bindung zu ihren Trägern und werden in ihrer mentalen und physischen Entwicklung gestärkt.
"Halfbuckle? Fullbuckle? Mei Tai? Onbu? Ich verstehe nur noch Bahnhof..."

Keine Panik hier erklären wir dir alles was du wissen musst, um das passende System für dich und dein Kind zu finden!

Welche Tragesysteme gibt es?
Wirf einen Blick auf unsere Infografik!

© herzenseltern: Überblick der populärsten Tragesysteme

Die Unterschiede der Tragesysteme kurz erklärt:

Fullbuckle: Das Wort "buckle" kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt "Schnalle". Fullbuckle Tragehilfen müssen nicht gebunden werden und haben ausschließlich Schnallen.

Halfbuckle: Diese Tragehilfen haben nur eine Schnalle. Der Bauchgurt wird geklickt, die Träger werden gebunden.

Mei Tai: Tragehilfe ohne Schnallen. Sowohl Hüftgurt als auch Träger werden gebunden.

Tragetuch: Ein Tuch, das auf verschiedene Weisen gebunden werden kann.

Onbuhimo: Auch schlicht Onbu genannt. Fullbuckle ohne Hüftgurt. Auch als Hybrid-Varianten erhältlich.

Ringsling: Tuch mit zwei Ringen, vor allem für das seitliche Tragen auf der Hüfte geeignet.

Kraxe: Tragesystem ähnlich eines Trekkingrucksacks, das durch Zulademöglichkeit vor allem für längere Wanderungen geeignet ist.

Komforttrage: Diese Tragen sind nur als Fullbuckle erhältlich. Das Rückenteil, bzw. der sog. Beutel, in dem das Kind sitzt, ist hier schon stark vorgeformt und nicht so weich und anschmiegsam wie bei Rückenteilen aus Tragetuchstoffen. Komforttragen sind zum Beispiel Ergobaby, Manduca und Ruckeli.



Egal für welche Art des Tragens du dich entscheidest, folgende Punkte müssen gewährleistet sein

Zu empfehlen sind grundsätzlich alle Tragen, die den Grundregeln gesunden Tragens entsprechen, also Babytragen:

  • bei denen der Steg stufenlos verstellbar ist. Dieser sollte bei angehockten Beinchen der Babys von Kniekehle zu Kniekehle reichen und möglichst stufenlos mitwachsen.
  • die eine gute Anhock-Spreiz-Haltung gewährleisten.
  • die den Rundrücken bei den kleinen - noch nicht sitzenden Babys - gut stützen 
und diesen gleichzeitig nicht gerade drücken oder zu locker sind.
  • die einen engen Körperkontakt zwischen Trageperson und Kind ermöglichen. Das Rückenteil sollte idealerweise möglichst eng an das Kind anpassbar sein, sodass beim Vorbeugen der Körperkontakt zur Trageperson bleibt und kein Abstand zwischen Baby und Tragehilfe entsteht.
  • die eine gute Kopf- oder Nackenstütze haben. Im Idealfall ohne Klett, denn dieser ist so nah am kindlichen Ohr sehr laut. Diesen eventuell schon vorher öffnen und die Kordel zum Straffen den Nackenbereichs eher nicht benutzen, da sie meist zu großen Druck auf den Nacken gibt.
  • bei denen kleine Babys beim Tragen als grober Richtwert auf Kopfkusshöhe getragen werden können,
  • die die Möglichkeit bieten größere Babys auf dem Rücken zu tragen.
  • die eine Face-to-Face-Position ermöglichen! Das Kind sollte immer mit dem Gesicht zu den Eltern schauen! Faustregel: Wenn eine Tragehilfe damit wirbt, dass ein Kind vorne am Bauch mit dem Gesicht "in Fahrtrichtung" getragen wird, hat sie in der Regel auch noch andere Mängel.
  • die das Gesicht des Kindes nie ganz bedecken. Es muss immer ein Spalt für die Frischluftzufuhr und Luftzirkulation vorhanden sein, auch wenn das Kind schläft.
  • die das Kind ausreichend vor Kälte und Sonne schützen.
  • die auch für die Eltern bequem sind!



Welches sind die wichtigsten Vorteile und Nachteile der verschiedenen Tragesysteme?

Ein Beispiel für eine Fullbuckle Trage: Kokadi Flip

Vor- und Nachteile Fullbuckle
+ Sehr schnelles Anlegen und keine Tuchbahnen bzw. langen Träger, die auf dem Boden hängen. Für viele, vor allem Männer, ist die Optik ansprechender. Für die Rückentrageweise oft die bequemste Variante.
- Muss bei Trägerwechsel neu eingestellt werden (geht trotzdem noch schnell). Dies kann unkomfortabel in der Bedienbarkeit sein. Passt sich evtl. nicht ganz so gut ans Kind an. Die Träger können einschneiden.

Ein Beispiel für eine Halfbuckle Trage: Limas Plus Babytrage

Vor- und Nachteile Halfbuckle
+ Passt sich dem Kind sehr gut an, da sie ähnlich wie ein Tuch gestrafft wird, zudem muss sie bei Trägerwechseln nicht angepasst werden.
- Die langen Tuchbahnen können als störend empfunden werden und je nach Polsterung als unangenehm.

Ein Beispiel für ein Ring Sling: HOPPEDIZ Klassik Ring-Sling

Vor- und Nachteile Sling
+ Sehr schnelles An- und Ausziehen und sehr kleines Packmaß - Handtaschentrage oder Autotrage. Das Kind kann nach vorne gucken, da meist auf der Hüfte getragen wird.
- Auf Dauer ggf unbequem, da einseitige Belastung.

Ein Beispiel für eine Onbuhimo: Kokadi Onbu

Vor- und Nachteile Onbu
+ Schnelles An- und Ausziehen und lässt sich klein zusammenfalten. Für Schwangere empfehlenswert, da es keinen Hüftgurt gibt.
- Kann auf Dauer unbequem sein, da das gesamte Gewicht auf den Schultern lastet. Eventuell ist etwas Übung nötig, um das Kind in der Onbu auf den Rücken zu bekommen.

Ein Beispiel für eine Mei Tai: HOPPEDIZ Hop-Tye

Vor- und Nachteile Mei Tai
+ Recht schnelles Anlegen. Muss bei Trägerwechseln nicht angepasst werden.
- Muss oben und unten gebunden werden. Bänder können als störend empfunden werden und können auf dem Boden herumhängen. Der Knoten kann drücken.

Ein Beispiel für eine Kraxe: Deuter Kid Comfort 3

Vor- und Nachteile Kraxe
+ "Wander-Trage", bei der Zuladung möglich ist. Es wird viel Gewicht auf der Hüfte getragen. Belüftung am Rücken. Das Kind sitzt sehr hoch und kann daher gut schauen.
- Kein optimaler Sitz für das Kind und zu groß für den alltäglichen Gebrauch.

Welche Kriterien solltest du bei der Wahl des Tragesystems beachten?

Für welche Tragehilfe du dich schließlich entscheidest hängt ganz von deinen Vorlieben ab. Hier sind ein paar Kriterien, an denen du dich orientieren kannst:

  • Wie stehst du zu Schnallen: Keine, eine oder zwei Schnallen?
  • Welche Art des Hüftgurtes favorisierst du: Ergonomisch, symmetrisch, breit oder schmal?
  • Wie möchtest du die Schultergurte haben: Wie breit sollen sie sein, sollen sie gepolstert oder ungepolstert oder gar zum Auffächern sein?

Warum sollte ich eine Tragehilfe benutzen?

7 gute Gründe warum du dein Baby tragen solltest:

  1. Nähe schafft Bindung. Das Baby kann die innige Nähe zu Mama und/oder Papa genießen. Dies vermittelt ihm Geborgenheit und es fühlt sich sicher.
  2. Vor allem Vätern hilft die körperliche Nähe eine gute Bindung zum Baby aufzubauen und gleichzeitig „was tun zu können“, ohne sich stark eingeschränkt zu fühlen. Oftmals tragen sie das Baby nach der Geburt so lange bis die Mutter sich ausreichend erholt hat.
  3. Die Tragenden können die Bedürfnisse des Babys leichter wahrnehmen und unmittelbar reagieren - Stichwort plötzlicher Kindstod und Windelfrei.
  4. Die Körperliche und seelische Entwicklung wird gefördert - Sehen: Optimaler Abstand, damit das Baby scharf zu sehen kann; Hören: Herzschlag ist dem Baby bereits aus dem Mutterleib bekannt; Riechen: Das Baby bevorzugt den Geruch der Mutter ab dem 2. Lebenstag; Fühlen: Hautkontakt ist Nahrung für die Seele und intensive taktile Sinneswahrnehmung hilft bei der Nahrungsverwertung; Proprio-vestibuläres System: Gleichgewichts-Lage und Bewegungssinn wird gefördert; Gehirn: Kognitive Leistungen werden durch körperliche Aktivität gesteigert; Motorische Entwicklung: Wird gefördert, da der Kopf früher stabilisiert wird und Muskel durch ausgleichende Bewegungen trainiert werden.
  5. Eltern können aktiv, flexibel und mobil sein. Der Haushalt kann mit Baby erledigt werden und leichter Sport ist möglich. Kinderwagenhindernisse wie Treppen, Menschenmassen und enge Gänge werden durch das Tragen leicht umgangen und stellen somit kein Problem dar. Der Alltag mit den Geschwistern kann weiter gehen, auch Spielplatzausflüge sind mit Baby in der Trage möglich.
  6. Das Baby ist stets mittendrin, nimmt am Alltag Teil und wird aber gleichzeitig von den Eindrücken nicht überfordert, da es selbstbestimmt entscheiden kann, wann es sich zu- oder abwendet (Selbstwirksamkeit, Eigenständigkeit).
  7. Anatomie der Wirbelsäule und Hüfte: Der Körperbau eines Babys ist zunächst nicht für das aufrechte Gehen ausgelegt. Becken, Beine und Wirbelsäule sind in Funktion und Ausprägung an das Getragenwerden angepasst. Die Wirbelsäule ist leicht gerundet und bekommt erst durch das eigenständige Kopfheben und Krabbeln die Halslordose. Mit der Entwicklung der Pomuskulatur durch das Krabbeln und das spätere Laufen entwickelt sich die Lendenlordose und somit die doppelte S-Form der Wirbelsäule, welche sich schließlich in der Pubertät vollständig entwickelt. Säuglinge kommen mit einer unreifen Hüfte auf die Welt, mal mehr mal weniger (bei starker Unreife besteht eine Hüftdysplasie). Wenn die Beinchen stark angehockt und leicht gespreizt sind („Anhock-Spreiz-Haltung“), fügt sich der Oberschenkelkopf optimal in die Hüftpfanne ein. Diese Haltung nehmen Kinder automatisch an, wenn sie auf der Hüfte getragen werden. Bei jedem Schritt des Tragenden übertragen sich auch Bewegungsreize auf die Hüftgelenke des Kindes. Die Hüfte kann sich wesentlich besser entwickeln als bei Fixierung. Tragen fördert die gesunde Entwicklung der noch knorpeligen Hüftgelenkstruktur (Hüftdysplasieprophylaxe).



Nützliches Wissen zum Thema Tragen

Es kann bereits ab Geburt getragen werden, aber auch später ist es möglich. Wenn die Kinder mit ca. 5-6 Monaten mobil werden, wird es oft schwierig mit dem Tragen zu starten. Zu diesem Zeitpunkt ist der Bewegungsdrang zu hoch.

Manche Babys wollen von Geburt an nicht in eine Tragehilfe. Meist steckt dann eine körperliche Ursache dahinter, die sich z.B. durch einen Ostheopath klären lässt. Manchmal ist es auch schlicht ein schlechter Zeitpunkt, z.B. wenn die Kleinen gerade aufs Klo müssen - Stichwort „Windelfrei“. Beim ersten Tragen kann der tragende Elternteil durch die Unsicherheit gestresst sein und überträgt die Stimmung auf das Kind. Hier heißt es: Ruhe bewahren, denn Übung macht bekanntlich den Meister.

Vor allem Frühgeborene profitieren vom Getragenwerden. Sie haben oftmals noch starke Defizite im kinästhetischen Bereich, da ihnen einige Wochen des Getragenwerdens im Mutterleib fehlen.

Bei Beckenbodenproblemen ist eine Rücksprache mit dem Frauenarzt unbedingt zu empfehlen. Ist dies der Fall, sollte die Frau das Kind besser in einer bequemen und ergonomischen Tragehilfe tragen, statt auf dem Arm. Es empfiehlt sich das Kind dann weiter oben zu tragen, sehr dicht am Körper und so bald wie möglich auf dem Rücken. Natürlich sollte sich dann die gesamte Tragezeit aber auf ein Minimum begrenzen. Im gesamten Wochenbett (6 Wochen) und darüber hinaus, sollte die frisch gebackene Mutter maximal das Gewicht ihres neugeborenen Babys tragen, um den Beckenboden zu schonen. Die größeren Geschwister sollten in dieser Zeit am Besten gar nicht und, wenn nicht möglich, so wenig wie möglich getragen werden.

Nach einem Kaiserschnitt ist das Tragen möglich, sobald sich die Mutter fit genug fühlt ihr Neugeborenes zu tragen. Je nach Schmerzen an der Narbe, muss die Tragehilfe gut ausgesucht werden und eher weiter oben angelegt werden.

Bei einer komplikationslosen Schwangerschaft spricht nichts gegen das Tragen bis zur Geburt, sofern sich die Mutter fit genug fühlt und die Belastung gewohnt ist. Hier bietet sich die Onbu oder ein Tuch an, da kein Gurt am Bauch vorhanden ist und somit auch nicht auf den Bauch drücken kann.



Welche Trageposition passt zu dir?
Vor dem Bauch, auf der Hüfte oder dem Rücken?

Bauch: Die meisten Trageeltern beginnen mit der Bauchtrageweise. Sie ist einfach zu erlernen und für den Anfang die schönste Art zu tragen.

Man hat das Kind im Blick, merkt direkt wenn es einschläft und kann dann den Kopf bequem stabilisieren. Auch die Kommunikation mit dem Kind ist zunächst deutlich leichter.

Hüfte: Auch auf der Hüfte kann ab der Geburt getragen werden, z.B. in einem Ring Sling.

Für die Meisten wird es erst interessant, wenn das Kind wacher und aufmerksamer wird und stets nach vorne schauen möchte. Dann ist dies eine gute Möglichkeit, damit das Kind mehr sieht, in vielen Fällen wieder zufriedener ist und dennoch in einer gesunden Art und Weise getragen wird.

Diese Trageweise ist ebenfalls sehr leicht zu erlernen. Der Nachteil daran ist eine sehr einseitige Belastung für die Eltern beim Tragen. Zwar wachsen auch hier Muskeln nach und es ist immer noch besser als das Kind die ganze Zeit auf dem Arm zu tragen, aber trotzdem: Zu lange sollte diese Trageweise nicht verwendet werden bzw. es sollte auch gerne mal die Seite gewechselt werden. Natürlich wissen wir, dass dies mit einer "Schokoladenseite" oft schwierig ist.

Rücken: Die Rückentrageweise erfordert ein bisschen mehr Können, aber nach ein bisschen Übung werden Eltern und Kind auch darin schnell sicher.

Prinzipiell ist es ab der Geburt möglich. Vor allem Mehrfacheltern tragen schneller auf dem Rücken, damit sie die Hände für die anderen Kinder frei haben. Hierbei muss aber sehr gut auf den Kopf geachtet werden, da kleine Säuglinge noch keine ausreichende Kopfkontrolle haben. Je älter und größer die Kinder sind, desto einfacher wird es.

Ab ca. einem Gewicht von 10 kg wird allgemein empfohlen die Kinder vermehrt auf dem Rücken zu tragen, da das steigende Gewicht zunehmend den Beckenboden belastet.



Wie unterscheiden sich Tragehilfe und Tragetuch?

Den meisten ist die sog. "Tragehilfe" unter dem Begriff der "Babytrage" bekannt. Wie der Name schon sagt, ist sie für den Tragenden als Hilfe gedacht. Sie erleichtert einem das Handling mit dem Baby, sprich es einfacher und schneller anzulegen und sicher zu tragen.

Ein Tragetuch hingegen ist variabler und passt sich dem Kind genau an. Es wird etwas aufwendiger gebunden und das muss geübt werden. Doch ganz egal, ob Tragehilfe oder Tragetuch, mit beidem kann man eine tolle Tragezeit haben. Mit dem richtigen Handling wird sich auch dein Baby wohlfühlen.

Vorteile Tragehilfe (Babytrage) Vorteile Tragetuch
➕ Einfache Handhabung, und kein aufwendiges Binden. Bei einer Fullbuckle schleift nichts auf dem Boden. ➕ Geeignet für alle Altersstufen und bei nicht-elastischen Tüchern bis zum Ende der Tragezeit. Das Tuch wächst stufenlos mit und ist sehr variabel.
➕ Verschiedene Tragen mit Bauch- bzw. Hüftgurten entlasten die Schultern. ➕ Positionen vorne, auf dem Rücken und auf der Hüfte möglich.
➕ Sehr schnelles Anlegen. ➕ Gute Gewichtsverteilung, da sich das Tuch passgenau an das Baby angeschmiegt. Daher vor allem für sehr kleine und leichte Babys die beste Art zu tragen.



Welches Material sollte gewählt werden?Tragetuchstoff oder fester Stoff?

Wenn die Tragehilfe alle Merkmale einer guten Tragehilfe hat, ist das Material zweitrangig. Tragehilfen, die aus „Tuchstoffen“, also querelastisch gewebten Tüchern, bestehen, passen sich optimal ans Kind an und haben hierdurch einen kleinen Vorsprung. Deshalb werden sie von uns empfohlen.



Wie lange ist eine Tragehilfe nutzbar?

Viele Hersteller unterscheiden zwischen Babysize, Toddlersize, XL oder Preschooler.

Viele Babysizetragen haben eine Gewichtsgrenze von ca. 15 kg und bieten dann eine „Toddlersize“ an. Meist ist aber die Größe des Kindes und nicht das Gewicht ausschlaggebend. Vor allem die Stegbreite ist wichtig. Diese ist mit einer gewissen Körpergröße des Kindes dann ausgereizt.

Das Rückenteil ist nicht ganz so wichtig, da die Kinder, je älter sie werden, meist ihre Arme draußen haben möchten. Aber auch dieses wird dann eben immer knapper. Angaben variieren hier von Hersteller zu Hersteller und stellen meist nur einen Richtwert dar bis wohin die Sicherheitsprüfung durchgeführt wurde.

Die meisten gewebten nicht-elastische Tragetücher sind bis zum Ende der Tragezeit, also so lange es für den Tragenden bequem und tragbar ist, belastbar. Bei den elastischen Tragetüchern wird es vielen Eltern ab ca. 8-11 kg unbequem und/oder die Kinder sacken mit der Zeit ab.

Bei Kraxen steht das Gesamtmaximalgewicht (inklusive Zuladung) in der Beschreibung.

Das Ende der Tragezeit definiert sich demnach als der Zeitpunk, ab dem das Tragen für den Träger als körperlich zu belastend empfunden wird!

Tragehilfen, je nach Größe, ab Geburt bis zu ca. 3 Jahren oder bis zum Ende der Tragezeit.

Gewebtes nicht-elastisches Tuch & Sling: Ab Geburt bis zum Ende der Tragezeit.

Elastisches Tuch: Geburt bis ca. 11 kg, evtl. schon früher.



Geschichte des Tragens

Mit unseren (Menschen-)Affenvorfahren kommen wir auf ca. 55 Millionen Jahre Stammesgeschichte. Aber erst seit ca. 10.000 Jahren ist der Mensch sesshaft geworden.

Das macht deutlich, dass wir noch vieles in unserer genetischen Vorprägung haben und unserer Babys noch wie Steinzeitbabys programmiert sind.

Früher konnten sich die Babys noch am Haarkleid der Mutter festklammern. Im Verlauf der Evolution wurde dieses mit der Zeit weniger, ebenso wie die Greiffunktion der Babys.

Auch das Becken wurde biologisch betrachtet durch den aufrechten Gang schmaler und die Babys mussten früher geboren werden, um noch "hindurchzupassen". Daher wird davon ausgegangen, dass alle (Menschen-)Babys physiologische Frühgeborene sind und die ersten 3 Monate außerhalb des Mutterleibes erst noch „nachreifen müssen“. Dies hat zur Folge, dass Babys gerne so nah wie möglich am Körper getragen werden möchten.

Im Verlauf bildete sich bei den Müttern ein ausgeprägter Hüft-Taillen-Bereich aus, perfekt um die Babys auf der Hüfte zu tragen.

Und auch Babys bringen heute immer noch ihre Füße reflexartig zueinander und nehmen automatisch die „Anhock-Spreiz-Haltung“ ein, sobald sie auf einer Unterlage liegen oder hochgenommen werden, um sich festzuklammern.

Wir Menschen sind weder Nesthocker (wie z.B. Mäuse) noch Nestflüchter (wie z.B. Pferde), sondern Traglinge (wie auch die Affen). Wir können uns nach der Geburt noch nicht selbst fortbewegen und brauchen einen Träger.

Abschlussbemerkung

Wenn ein Kind zufrieden im Kinderwagen liegt, spricht absolut nichts dagegen es darin spazieren zu fahren, denn auch ohne Tragen kann ein Kind glücklich groß werden! Eine Kombination aus beidem ist für viele Eltern das Schönste und Unkomplizierteste.

Renz-Polster, H. (2016). Menschenkinder: Artgerechte Erziehung–was unser Nachwuchs wirklich braucht. Kösel-Verlag.

Kavruk, H. (2010). Der Einfluss des Tragens von Säuglingen und Kleinkindern in Tragehilfen auf die Entwicklung von Haltungsschäden im Schulkindalter: Untersuchungen mit der MediMouse (Doctoral dissertation).

Fettweis, E. (2010). Über das Tragen von Babys und Kleinkindern in Tüchern oder Tragehilfen. Orthopädische Praxis, 46(2), 53-58.

Stening, W., Nitsch, P., Wassmer, G., & Roth, B. (2002). Cardiorespiratory stability of premature and term infants carried in infant slings. Pediatrics, 110(5), 879-883.

Anisfeld, E., Casper, V., Nozyce, M., & Cunningham, N. (1990). Does infant carrying promote attachment? An experimental study of the effects of increased physical contact on the development of attachment. Child development, 61(5), 1617-1627.

Hunziker, U. A., & Barr, R. G. (1986). Increased carrying reduces infant crying: a randomized controlled trial. Pediatrics, 77(5), 641-648.